Das Galeriegrab Calden 1 bei Kassel (Zum Vergrößern auf die Bilder klicken)
Sprockhoff-Nummer:



Koordinaten: 51°23'58.00" N, 09°23'59.30" O (Google Maps öffnet sich in einem neuen Fenster)


Aus der Gemarkung Calden sind zwei Galeriegräber (auch Gang- oder Steinkammergräber) [Ganggrab ist definitiv eine falsche Formulierung – Anm. d. Verf.] bekannt. Grab II liegt in westlicher Richtung am Waldrand und wurde 1990/1992 untersucht. Grab I lag ursprünglich auf dem Acker des Bauern Georg Lückel, westlich von Calden. Nach der Ausgrabung wurden die Steine an dieser Stelle zu einem neuen Ensemble errichtet.
An der Fundstelle zog man 1947 einen Wandstein aus dem Boden, weil er beim pflügen störte. Nach einem Hinweis von Hauptschullehrer Justus Schüler aus Calden fand 1948 hier eine archäologische Untersuchung statt. Es zeigte sich, dass das Grab schon vor seiner Entdeckung stark zerstört war. Gruben mit eingefüllter Keramik bezeugen, dass in den ersten Jahrhunderten nach Christ Geburt Menschen hier siedelten und das Grab teilweise zerstörten. Auch im Mittelalter fanden Eingriffe statt. Die Ausgrabung konnte dennoch Skelettreste, Funde und Wandsteine bergen, die ein Bild von der ursprünglichen Anlage ermöglichen.
Der Grabraum war insgesamt über 10 m lang und 2 m breit. Den Eingang bildete vermutlich ein großer Stein mit einem Loch darin. Solche "Türlochsteine" [Auch Seelenloch genannt - Anm. d. Verf.] sind auch aus anderen Gräbern, z.B. Züschen bei Fritzlar, bekannt. Die unterschiedlich großen Wandsteine waren so in den Boden eingegraben, dass ihre Oberkante etwa eine gleiche Höhe erreichte. Darauf lagen Decksteine, wie sie auch bei der Rekonstruktion verwendet wurden.
Im Inneren fanden sich zahlreiche menschliche Knochen, die größtenteils durcheinander lagen. Vermutlich waren es ursprünglich 100 bis 200 bestattete Personen. Die Männer waren zwischen 1,59 m und 1,71 m groß, die Körperhöhe der Frauen schwankt zwischen 1,46 m und 1,59 m.
Unter den Beigaben fällt die große Anzahl von Pfeilspitzen auf. Sie sind aus Flint "Feuerstein", der wohl von der Ostsee stammt, und heimischem Kieselschiefer hergestellt. Die Pfeilspitzen belegen die Beigabe von Pfeil und Bogen. Die hölzernen Bauteile und Bogensehnen sind im Boden vergangen.
Außerdem fanden sich einige durchbohrte Tierzähne. Sie stammen von Hunden, Schweinen, Rindern, Braunbären und Wildkatzen. Die Tierzähne trug man als Kettenschmuck. (Text von der Infotafel vor Ort)

Untersuchungen nach der C14-Methode belegen eine Nutzungszeit des Grabes um 3400 - 3200 v.u.Z..

Das Grab ist Teil eines archäologischen Pfades der unter anderem auch zu dem Galeriegrab Calden II führt.
Ausführlichere Informationen zu der Anlage findet man auf der jungsteinSITE der Uni Kiel.

Das Grab befindet sich in der Weserstraße im südlichen Teil von Calden, direkt gegenüber der Mittelpunktschule.











Fotos: R. Möws 04/2015