Das Galeriegrab Züschen bei Fritzlar (Zum Vergrößern auf die Bilder klicken)


Koordinaten: 51°10'26.04" N, 09°14'26.16" O (Google Maps öffnet sich in einem neuen Fenster)



Dieses Steinkammergrab vom westfälisch-hessischen Typ wurde im Jahre 1894 entdeckt und freigelegt. Es war vor etwa 4000 Jahren die letzte Ruhestätte einer Gemeinschaft, die selbst - oder deren Vorfahren - aus dem äußersten Westen Europas einwanderte. Typische, vergleichbare Steinkammergräber gibt es in Frankreich, insbesondere in der Gegend von Paris.

Die in die Wandsteine eingeritzten Symbole werden als Stiere und Wagen gedeutet und entstammen wahrscheinlich der Glaubenswelt der Erbauer dieser Anlage, die zu den bedeutendsten in Europa gehört.
Bei dem im 4. - 3. jahrtausend v.u.Z. angelegten Grab handelt es sich um eine 20 m lange und 3,50 m breite, in den Boden eingebettete Grabkammer, die aus großen Sandsteinplatten gebaut ist - ein Material, das erst auf der anderen Talseite ansteht. Die Längswände bestehen aus je zwölf Steinen (ein Stein der Nordseite fehlt), die Schmalseiten aus jeweils einer einzigen Platte. Die östliche Abschlussplatte mit einer runden Öffnung von ca. 50 cm Durchmesser (Türloch oder auch Seelenloch) trennt einen kleinen offenen Vorraum mit der Länge von 2,50 m, von der eigentlichen Grabkammer mit den Innenmaßen von 16,50 m x 2,5 m.
Steinkammergräber, deren Errichtung eine bedeutende technische Leistung verlangt (Rollen, Rampen, Hebebäume u.ä.) waren die Begräbnisstätte kleinerer Siedlungsgemeinschaften. Über Jahrhunderte hin wurde immer wieder in ihnen bestattet.
In diesem Grab fand man Gebeine und Schädel von 46 Toten. Nach Vergleichen kann man aber von 200 - 300 Bestatteten ausgehen, die meist mit dem Kopf zum Eingang in mehreren Schichten übereinander niedergelegt wurden.
Von besonderer Bedeutung sind die an den Wänden des Grabes angebrachten Zeichen, die mit einem Steingerät eingepickt wurden. Vor allem ein Zeichen ist es, das immer wiederkehrt: eine senkrechte Linie mit einem nach oben geöffneten Halbbogen darüber, was nach Parallelerscheinungen auf anderen Felsbildern Europas als Rinderdarstellung zu lesen ist. Öfter sind zwei Rinder verbunden durch eine Linie mit zwei betonten Endpunkten, d.h. wohl Räder. Seltener verbindet sie ein Joch mit Deichsel und zweirädrigem Wagen, so in besonders gutem Erhaltungszustand auf einem kleinen menhirartigen Stein, der sich lose in der Grabkammer befand.
Die Rillen an den Oberkanten der Sandsteinplatten wurden beim pflügen des Ackers verursacht. Erst als man diese Hindernisse durch ausgraben und zerschlagen beseitigen wollte, erkannte man die Bedeutung dieses Denkmals unserer Vorgeschichte. Die Ausgrabung fand dann 1894 statt.
Aufgrund zunehmender Sachbeschädigungen, wie das eingravieren von Namen und Zeichen, sah sich der Schwalm-Eder-Kreis im Jahre 1986 leider dazu veranlasst, Sofortmaßnahmen zur Sicherung des Grabes vorzunehmen. Dazu wurde das Grab überdacht und umzäunt.
Es besteht aber nach wie vor die Möglichkeit, das Grab in dem abgesperrten Raum näher zu besichtigen.
Dazu kann im Museum der Stadt Fritzlar - Hochzeitshaus - ein Schlüssel gegen Pfand ausgeliehen werden.

Die Öffnungszeiten sind: Montag bis Freitag, 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr und 15.00 Uhr bis 16.00 Uhr.
(Infos von den Informationstafeln vor Ort)

Man fährt von Züschen in Richtung Lohne. Etwa 500 m hinter dem Ort biegt links ein Feldweg ab. Diesem folgt man, biegt nach 230 m rechts ab und fährt dann weitere 160 m bis zu einem Parkplatz. Von dort aus sind es dann noch 100 m bis zu der überdachten Anlage.














Fischgrätenmuster auf dem Tragstein der östlichen Schmalseite. Ein ähnliches Muster findet man auf dem ca. 20 km von hier entfernten Menhir von Wellen, der auf der folgenden Seite beschrieben wird.

Der Stein b1.




Der Stein b2.



Fotos: R. Möws 10/2013