Die Felsritzungen Tanumshede (Vitlycke) (Zum Vergrößern auf die Bilder klicken)
RAÄ-Nummer: Tanum 1:1 (Schwedisch)



Koordinaten: 58°42'05.84" N, 11°20'10.76" O (Google Maps öffnet sich in einem neuen Fenster)


Nirgendwo in Europa gibt es eine solche Konzentration von Felsritzungen wie in Bohuslän, nirgendwo sind die Bilder so zahlreich, lebendig, schön und abwechslungsreich.
In der Umgebung von Tanum gibt es die meisten Felsbilder. Sechs dieser Fundstellen wurden 1994 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die Plätze sind Vitlycke, Aspeberget/Tegneby, Fossum, Litsleby, Gerum und Kalleby.

Auf dieser Seite werden die Ritzungen von Vitlycke vorgestellt, welche die größten und figurenreichsten Schwedens sind.
In der Bronzezeit, als diese Felsritzungen entstanden, lag der Meeresspiegel etwa 15 Meter höher. Dadurch war die Ebene um Tanum eine große Meeresbucht.

In den Felsen sind mehr als 10 000 Schiffe eingeritzt. Es ist die gewöhnlichste Felsritzungsfigur Bohusläns. Die Besatzung wird durch die kleinen, kurzen Striche symbolisiert. Manchmal sind zwischen den Besatzungsstrichen einige hakenähnliche Figuren zu sehen. Man glaubt, dass sie Lurenbläser darstellen. In einigen Fällen sind deutlich Männer zu erkennen, die drohend ihre Äxte erheben.

Die Bilder hier handeln von Liebe, Macht und Magie. Hier ist auch das berühmte Brautpaar abgebildet. Auch viele andere Szenen deuten auf den Zusammenhang von Felsritzungen und Fruchtbarkeitskult hin.
Bestimmte Motive tauchen immer wieder auf: Schiffe, Schalengruben, Menschen (oft Krieger), Tiere, Wagen, Pflüge, runde Scheiben und Scheibenkreuze.
Häuser, Arbeit, Kinder oder anderes, was zum Alltag gehört, wurde dagegen nie abgebildet. Frauen erscheinen nur sehr selten.
Die meisten Figuren können auf die jüngere Bronzezeit datiert werden (1000 - 500 v.u.Z.). Die letzten Bilder stammen vom Beginn der Eisenzeit (ca. 500 v.u.Z bis Beginn der Zeitrechnung).

Eigentlich ist das Wort "Ritzung" irreführend. Die Bilder wurden in die Felsen geklopft. Als Werkzeug wurde ein harter, zäher Stein benutzt, zum Beispiel ein Quarzit oder Diabas.
Die meisten Ritzungen sind mit roter Farbe aufgefüllt. Das wurde vom Museum gemacht, damit die Bilder besser sichtbar sind. Man weiß nicht, ob sie auch in der Bronzezeit ausgemalt waren.
Sie sind absichtlich auf Felsen gemacht, die von Wasser überspült werden, auch wenn es nicht regnet. Die Morgensonne spiegelt sich im Wasser das über den Felsen fließt. Vielleicht ist dieser Effekt ein Teil des Bildinhaltes.

Der größte Teil der Erklärungen auf dieser Seite stammt von den Informationstafeln vor Ort.

Auf dem Gelände befinden sich auch zwei Steinhügelgräber aus der Bronzezeit. Da sie eigene Nummern haben werden sie auf der nächsten Seite beschrieben.

Die Felszeichnungen befinden sich etwa 2 Kilometer südlich von Tanumshede, direkt an der Straße und ist gut ausgeschildert. Auf der anderen Straßenseite befindet sich ein Parkplatz sowie das Vitlycke Museum.
Von Süden kommend passiert man vorher bereits die Felsritzungen von Litsleby und Aspeberget, die allerdings nicht direkt an der Straße liegen.
Fährt man weiter nach Norden und folgt dann der Straße 163 passiert man die Felsritzungen von Fossum, Balken und Varlös, bevor man dann nach ca. sechseinhalb Kilometern Tanums Hällristningsmuseum erreicht. Auf der Seite befindet sich auch ein Übersichtsplan.






An Bord des Schiffes sitzen sechs Menschen in der Hocke. Einer von ihnen bläst auf einer bronzenen Lure. Vor ihm steht ein Mann, der seine Axt zum Gruß erhebt. Die anderen richten ihre Paddel zum Himmel.
Vieles deutet darauf hin, daß die meisten Felsritzungen Teil eines Begräbnisrituals waren. Die Menschen der Bronzezeit stellten sich vor, daß die Reise ins Totenreich mit einem Schiff vonstatten geht.





Eins von diesen Tieren könnte ein Elch sein. In diesem Fall ist das Bild einzigartig. Der Elch war nämlich vor 3000 Jahren an der Westküste ein seltenes Tier, weil es kaum Fichten gab. Und in Laubwäldern fühlen sich Elche nicht wohl. Hirsche und Pferde sind dagegen häufig auf Felsritzungen zu sehen.











Diese Figur ist ebenfalls einzigartig. Vermutlich ist es ein Blauwal. Trotz der Nähe zum Meer sind Abbildungen von Fischen und Meerestieren sehr ungewöhnlich.



Einem großen Mann folgen sieben kleine Menschen oder Kinder.







Die bekannteste Szene auf dem Fels von Vitlycke ist das Brautpaar. Es stellt eine heilige Hochzeit dar. Heilighe Hochzeiten kommen in den meisten vorchristlichen Religionen vor. Sie sollten die Fruchtbarkeit von Mensch, Tier und Saat beschwören.
Neben dem Brautpaar steht ein Mann mit erhobener Axt. Diese Kombination von Brautpaar und Axtträger kommt auf mehreren Ritzungen in der Nachbarschaft vor. Es ist offensichtlich, dass die Axt (in der Wikingerzeit der Hammer) in der nordischen Mythologie eine wichtige Rolle spielte. Hochzeitsszenen kommen auf mehreren Ritzungen in der Umgebung vor. Manchmal findet die Hochzeit auf einem Schiff statt, und manchmal können mehrere Paare auf einer Ritzung zu sehen sein.





Solche runden Scheiben stellten meistens die Sonne dar.



Ein Mann mit Hornhelm fährt auf einem zweirädrigen Karren, der von einem Pferd oder einer Ziege gezogen wird. Vor dem Mann ist eine Schlange oder ein Blitz. Viele Forscher glauben, daß die Mythologie der Asen mit den bekannten Göttern Odin, Thor und Freja eigentlich aus der Bronzezeit stammt. Sehen wir hier also Thor, der mit seinem Wagen fährt, der von einem Ziegenbock gezogen wird? In dem Falle wäre die Schlange vor Thor ein Blitz.


Fotos: R. Möws 08/2010